Computertechnik
Kommunikation

Die Dummheit des Schwarms

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© Katharina Wieland Müller / pixelio.de
Es ist ein Denkfehler, neue Produkte oder vermeintliche Innovationen immer auch mit einem Fortschritt zu assoziieren. So kann ein digitales Buch im Grunde genommen alles, was ein gedrucktes Buch auch schon konnte. Es verbraucht jedoch zusätzlich noch Strom. Man kann es nicht weiter verleihen, nicht mit einer Geschenkverpackung verhüllen und auch nicht an Weihnachten unter den Tannenbaum legen. Nicht selten liegt der Fortschritt vor allem auf der Seite der Industrie, nicht notwendigerweise beim Konsumenten. So sind die Kosten für die Weitergabe eines digitalen Buches kaum noch vorhanden und so gilt es, auch für den Endkunden Argumente zu finden, die ihm Glauben machen, er hätte nun einen fortschrittlichen Nutzen erzielt, wenn er den realen Gegenstand seines Buches durch den komprimierten digitalen Text eintauscht. Anhänger digitaler Bücher argumentieren gerne mit der erreichten Gewichtsreduktion im Vergleich zum gedruckten Werk. Ein offenbar recht konstruiertes Argument, denn nur selten hatte man in den vergangenen Jahrzehnten Leser just über das Problem diskutieren hören können, dass das Gewicht eines Buches beim Lesen ein erntest Problem sein könnte.

Kommunikation gleich Lebensqualität?

Auch bei den neuen Möglichkeiten der Kommunikation neigt der Mensch dem Irrtum zu erliegen, dass jede eine Steigerung der kommunikativen Quantität auch automatisch mit einem Wachstum am Lebensqualität einher ginge. Nervlich stark beanspruchte Manager oder selbständige Unternehmer haben bereits erkannt, dass ständige Erreichbarkeit über die neuen Medien durchaus zum Problem werden können. Wer immer nur kommuniziert, dem fehlt die Zeit zum Nachdenken.

In diesem Zusammenhang lässt sich die Idee der sogenannten „Schwarmintelligenz“ umkehren: Es gibt auch die Dummheit des Schwarms. Wenn der Mensch nur noch kommuniziert, sich aber keine Menschen mehr finden lassen, die einmal die Kommunikationsmedien abzuschalten wissen, um auch eigene Gedanken zu entwickeln, dann wird die Kommunikation zu einer fruchtlosen Angelegenheit. Was nützt es, medial im Kreis herum zu fragen, was es für neue Gedanken gibt, wenn niemand sich mehr die Zeit nimmt, die neuen Ideen zu entwickeln.

Es gibt Spitzenpolitiker der Piratenpartei, die sich rühmen, im Dreiminutentakt Zwitschernachrichten zu versenden. Wie kann man einen Gedanken zu Ende entwickeln, wenn man die eigene Arbeit stets unterbricht um mit seinem Schwarm zu kommunizieren? Unsere Welt wird nicht von jenen Menschen zusammen gehalten, die Nachrichten im Kreis herum verschicken, sondern von jenen, denen es gelingt auch einmal eine Arbeit zu Ende zu bringen.

Abschalten und Nachdenken

Wir alle verfügen über immer mehr Gerätschaften der Computertechnik und der Kommunikation. Und das ist auch gut so. Doch wir sollten alle nicht vergessen, wo der Schalter dieser Geräte sitzt. Eigene Gedanken zu entwickeln kann auch bedeuten, einmal nicht zu kommunizieren. Denn wenn der Input an neuen Gedanken fehlt, dann kann die vermeintlichen Intelligenz des Schwarms leicht zur Schwarmdummheit werden.

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